Magdalenenkirche

Magdalenenkirche

Zwischen 1741 (dieses Jahr ist im Westgiebel eingemeißelt) und 1743 wird eine neue Gottesackerkirche erbaut: eine Saalkirche von 16m x 11m im Geviert, mit dreiseitigem Chorabschluss, hohen Rundbogenfenstern und Rundbogenportalen. Die Ecken sind durch Pilaster bzw. Lisenen betont. Ein Dachreiter mit Haube, Laterne und Zwiebelhelm ersetzt den Glockenturm. Diese Kirche „ist zwar auch nicht groß, aber doch geräumig genug, hell und schön und macht ihrem Baumeister Ehre“ (Will). Sein Name ist uns leider nicht überliefert, wie überhaupt die Quellenlage sehr dürftig ist. Bauherr war wahrscheinlich der Theologieprofessor und erste Pfarrer der Altdorf Gemeinde Johann Balthasar Bernhold (1687–1769). Namentlich bekannt sind auch einige Stifter.

Im Zeitalter des Rokoko werden im Territorium der allmählich verarmenden Reichsstadt nicht sehr viele neue Kirchen gebaut oder alte umgebaut: Die Egidienkirche in Nürnberg und die Kirchen in Altdorf, Lauf und Hersbruck. Die meisten dieser Bauten ahmen den sogenannten Markgräflerstil der zahlreichen Kirchenneubauen aus der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth nach. Hier sind die beiden Baumeister Joh. Georg Hofmann und Joh. David. Steingruber tonangebend. Die künstlerischen Höhepunkte dieser Epoche werden sowieso im katholischen Franken gesezt: Vierzehnheiligen, die Schloßkirche zu Würzburg und Gößweinstein.

Die fürsichtigen Herren von Nürnberg haben schon immer das Prinzip der Zurückhaltung und Nüchternheit verfolgt. Die spätbarocken Grazie und überschäumenden Spielfreude bekommt dieser nüchterne und sachliche Zug in der Nürnberger Menalität sehr gut. Eine solche Mischung, eine klare und doch beschwingte Architektur und entsprechend helle und leichte Innenräume mit dezentem Stuck sind in beiden Altdorfer Kirchen erkenn- und spürbar. Ihr besonderes Gepärge erhält die Magdalenenkirche zum einen durch die umlaufende Empore, die auf überschlanken, fast genickt erscheinenden und blaugrau mamirierten Holzsäulen ruht, zum anderen durch den Kanzelaltar mit darüberliegender Orgel. „Atar, Kanzel und Orgel stehen nach neuem Geschmack übereinander“, hebt schon Will in seiner „Geschichte der Landstadt Altdorf“ (1796) hervor.

In die hölzerne Rückwand (die Retabel) über dem aus Sandsteinblöcken gefügten Altartisch ist die Kanzel eingebaut. Über dem Schalldeckel mit dem Wappen des Stifters Dr. Joh. Mor. Fichtner erhebt sich die Orgel. Die erste wurde von Joh. Christ. Küttelmann gebaut und von E. Friedr. Zobel gestiftet, die zweite 1845 von Joh. Gg. Amberger gestiftet. Die heutige ist bis auf den Orgelprospekt von 1845 völlig neu.Altar und Kanzel sind von je zwei blaugrau mamorierten Pilastern mit versilberten korinthischen Kapitelen flankiert. Durch den Kanzelaltar mit der darübergebauten Orgel und durch die umlaufende Empore wird der einfache, heute nur sparsam stuckierte und helle Raum harmonisch gegliedert. Kanzelaläre findet man nur in protestantischen Kirchen und bei uns vor allem im Herrschaftsbereich der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. Das Herzstück der protestantischen Dogmatik, die Einheit von Sakrament, Wort und Ligurtie wird hier sichtbar manifestiert. Ein Abglanz des Ruhms der Nürnbergischen Universität Altdorf ist auch dem Friedhof und seiner Kirche spürbar.

Den Namen „Magdalenenkirche“ erhielt die Kirche bei ihrer Wiederweihe am 09. Juni 1990.

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