Zelebrierter Advent in St. Laurentius

Thema

Das Chorkonzert der Kantorei Altdorf am dritten Advent unter Leitung von Dekanatskantorin Almut Peiffer und unter Mitwirkung von Martin Peiffer an der Orgel und Markus Schirmer am Cembalo hinterließ tiefen Eindruck bei den Zuhörern. Auf dem Programm standen Werke der Romantik und des Barock sowie bekannte Advents- und Weihnachtslieder. Eine Auswahl besinnlicher Texte, gesprochen von Dr. Susanne Schatz, Dekan Jörg Breu und Martin Albrecht, unterstrich die Musik.
Gut gelaunte Sängerinnen und Sänger proben ein letztes Mal Anfänge und Übergänge. Kräftige Stimmgruppen, ausgewogen in Dynamik und Tonalität, lassen die Vorfreude auf das Konzert wachsen. Während „Übers Gebirg’ Maria geht“ von Johann Eccard und gleich danach „Ehre sei Gott in der Höhe“ von Friedrich Silcher strahlend intoniert werden, füllen sich die Reihen der Kirche bis auf den letzten Platz.
Fünf Minuten vor Konzertbeginn ertönen die Glocken, die letzten Zuhörer suchen ihre Plätze auf, lassen die Blicke durch den festlich geschmückten Raum schweifen, die an dem weißen Herrnhuter Stern über dem Altarraum oder an dem großen Adventskranz verweilen. Die Altarkerzen brennen, die Glocken verstummen, ebenso die Gespräche. Die Orgel setzt ein.

Perlende Orgelläufe 
Perlende Orgelläufe, silbrig hell über sanften, getragenen Phrasen überraschen das Auditorium. Die „Offertoire pour la Messe de minuit“ von César Franck, ein Werk der Spätromantik in D-Moll, lädt ein zu Besinnung und Ruhe, lässt eintauchen in den Frieden des Moments und der Vorweihnacht.
Kantorin Almut Peiffer erklärt kurz den Programmverlauf, der eingeteilt ist in vier Themenbereiche:
„Warten und Sehnen“, Sich Öffnen und Hören“, „Aufbrechen und Weitergeben“ und „Einstimmen und Loben“ – vier Schritte bis Weihnachten, zwischen denen musikalisch einiges passiert.
Als „Überraschungsgast“ wird Markus Schirmer, Jugend-Musiziert-Preisträger am Klavier, begrüßt, der spontan angeboten hatte, seine Darbietung vom Weihnachtskonzert des Leibniz-Gymnasiums hier zu wiederholen.
Nach einer eindrucksvollen Introduktion der Orgel bieten Chor und Zuhörerschaft gemeinsam und im Wechsel das bekannte Adventslied „Macht hoch die Tür“ dar. Mit zartem Glanz des Soprans erklingt in der vierten Strophe ein „Hosianna“ als Oberstimme über der Sangesfreude der Gemeinde.
Das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ wird wiederum eingeführt durch die Orgel mit einem drohenden, näher kommenden, höher und höher steigenden Melodieverlauf und stampfendem Rhythmus, der bildlich die schwere Ladung und die Bewegung des Schiffes assoziiert, bevor der Chor und die Zuhörer gemeinsam die Melodie aufnehmen. Bei dem Lied „Wie soll ich dich empfangen“ stellt die Orgel wiederholend, umspielend, diese Frage musikalisch, und auch hier nehmen Chor und Publikum die Frage gemeinsam singend auf.
Der Text „Schweige und höre“ von Max Feigenwinter, vorgetragen von Martin Albrecht, endet mit den Worten: 
„Sammle Kräfte und brich auf, damit du den Ort findest, wo neues Leben möglich ist!“. Ein in diesen Tagen mit besonderer Bedeutung erfüllter Aufruf.

Homogener Chorgesang
Und nun ertönt der Chor mit „Übers Gebirg’ Maria geht“ von Johann Eccard, einem Meister des Frühbarock. Samtweich korrespondieren die jeweils stimmführenden Gruppen und übergeben einander den führenden Part, unterstützen in weichem, feinfühligem Kontinuum die Melodiestimme in schönen fließenden Übergängen zwischen den Stimmgruppen. Auch der Chorsatz des romantischen Komponisten Friedrich Silcher „Ehre sei Gott in der Höhe“ mit seinem Choralmittelteil „Wie soll ich dich empfangen“ wird stimmsicher interpretiert. Zu hören ist ein strahlender Anfang des Gloria-Hymnus mit recht kräftigem Sopran. Auch hier wieder gepflegter Chorklang mit sanftem Piano bei den Worten „... und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, einer Botschaft, die an Aktualität nie verliert.
Tiefes Vibrieren der Orgel Die Pastoralsonate über den 8. Psalmton von Joseph Gabriel Rheinberger, ein romantisches Werk für Orgel, ist ein besonderer Höhepunkt des Abends. Martin Peiffer, seit September mit Kantorin Almut Peiffer verheiratet, ebenfalls Kirchenmusiker und ab März 2016 als Kantor der Diakonie Neuendettelsau tätig, bereitet den Zuhörern einen musikalischen Hochgenuss. In der Pastorale sind kräftig jubelnde Abwärtsläufe zu hören, sich verdüsternd und wieder aufschwingend, auf und ab und ineinanderschwingend wie Kirchenglocken. Das Intermezzo in ganz sanftem
Pianissimo die Melodielinie verfolgend, untermalt von Akkorden und einer Unterstimme, deren tiefe Vibrationen mehr fühlbar, denn hörbar sind. Die Fuge dann energisch vorwärts drängend, spannend sich steigernd, wieder fallend, mitreißend. 
Einen Kontrast dazu stellt die Strenge J. S. Bachs dar. Markus Schirmer spielt auf dem Cembalo Auszüge aus der Partita Nr. 5. Die raschen, präzisen Tempi erinnern an ein exakt laufendes Uhrwerk. Perlende Cembaloklänge, voller Spielfreude und hochkonzentriert dargeboten, bringen dem jungen Interpreten spontanen Applaus ein. 
Den lang anhaltenden Applaus am Ende des Konzerts haben sich alle Beteiligten verdient. Almut Peiffer hat hervorragende Arbeit geleistet und Dekan Breu fasst seinen Dank an sie in die Worte: „Danke, dass du es machst, wie du es machst.“

© Der Bote, 15.12.2015, Anett Mock