Tönet ihr Pauken - auf, preiset die Tage

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Minuten lang applaudierten die Zuhörer in der Altdorfer Laurentiuskirche, stehend, mit nicht nachlassender Begeisterung. Viel Beifall für die Ausführenden, die unter der musikalischen Leitung von  Dekanatskantorin Almut Peiffer das Weihnachtsoratorium I bis III von Johann Sebastian Bach gesungen und gespielt hatten. Ein gelungenes Kirchenkonzert, das so in Altdorf lange nicht mehr zu hören war, mit einer alle Schwierigkeiten bravourös meisternden Kantorei, großartigen Solisten und einem ausdrucksstarken, sensibel agierenden Orchester. 
Schon mit den ersten Takten der Neuen Nürnberger Ratsmusik unter der Leitung von Gunther Hillienhoff durchströmte der Jubel von Bachs
Musik die Altdorfer Stadtkirche. Charakteristisch hier die Pauken, die Flöten- und Oboentriller, schnelle Streicherfigurationen und die Fanfaren der Barocktrompeten. Unglaubliche Freude vermitteln diese Klänge, nehmen mit ihrem Jubilieren sofort gefangen.
Ein Musik gewordenes, mitreißendes Strahlen und Glänzen, das man nur zu gut mit dem Licht der Weihnacht in der winterlichen Dunkelheit gleichsetzen kann.
Spätbarocke sinnliche Prachtentfaltung, freudig-feierlich, königlich, sich steigernd bis zum Einsatz des Chores mit dem bekannten Eingangschoral „Jauchzet, frohlocket, preiset die Tage“.

Prunkvoll hatte Bach sein Weihnachtsoratorium komponiert, gedacht als Höhepunkt im Kirchenjahr. Wie kein anderes stimmt diese vermutlich meistaufgeführte geistliche
Komposition auf die Geburt Jesu ein. Im ersten Teil steht seine Ankunft im Mittelpunkt, der „starke König“, der als kleines Menschenkind geboren wird. Ursprünglich hatte der Komponist das Oratorium als einen Zyklus von sechs Kantaten komponiert, die, angefangen von den damaligen drei Weihnachtstagen, die Feiertage bis Epiphanias umschließen. 

Souveräner Chor 
In Altdorf setzten die Musiker und Sänger die weihnachtlichen drei Teile beeindruckend um. Bestens vorbereitet und allen Herausforderungen souverän und sicher gewachsen zeigte sich der Chor. Seit Februar hatte Peiffer dafür mit ihm gefeilt, die Stimmen geschult, Tempi, Einsätze, Intonation und Dynamik einstudiert.
Eine Arbeit, die man jetzt hören und bewundern konnte, die sich harmonisch zu einem runden Ganzen fügte. Wunderbar, wie die Sängerinnen und Sänger die unterschiedlichen Stimmungen der Choräle ausdrückten, das anrührende „Wie soll ich dich empfangen“, in dem Bach mit der Melodie von „O Haupt voll Blut und
Wunden“ bereits auf den Kreuzestod Jesu verweist.
Frieden, Ruhe und Vertrauen vermittelte später „Brich an o schönes Morgenlicht“, während der Chor bei „Lasset uns nun gehen“ in die Rolle der Hirten schlüpft und mit seinen wild-gemischten Einsätzen durch alle Stimmen deren Durcheinander beim Aufbruch und Eilen versinnbildlicht. 

Einziger Wermutstropfen 
Harmonisch ausgewogen, klangvoll, mit viel Gefühl und Temperament interpretierte der Chor diese oft auf bekannten Kirchenliedern beruhenden Choräle. Einziger Wermutstropfen: die Aufstellung im Altarraum. Mit dieser Entfernung zur Gemeinde schluckte die Akustik in der Laurentiuskirche leider einiges der Energie und Kraft des Chorgesanges. 

Hervorragende Soli
Begeisternd auch die Solisten: Sopranistin Michaela Aichele – besonders schön ihr klarer Sopran beim Duett „Herr, dein Mitleid“ mit Bass-Bariton Manuel Krauß - Tenor Christopher Kessner mit seiner Technik und der ehemalige Windsbacher Sänger Krauß in seiner Arie „Großer Herr, o starker König“, der er viel Ausdruck verlieh.
Eine Klasse für sich ist Altistin Renate Kaschmieder, die ihren Arien Intensität und Tiefe geben konnte. Anrührend ihr „Den Schönsten, den Liebsten“ (Arie „Bereite dich Zion“), zart, behutsam gesungen, bei der die Holzbläser für einen besonders weichen und warmen Klang sorgten. Oder das lang gehaltene eindringliche „Schlafe, mein Liebster“, das die Altistin mit tiefem Empfinden sang.

Vor der Aufführung habe die Frage gestanden, ob und wie so ein Konzert in Altdorf aufgenommen werde, hatte Dekan Jörg Breu bei seiner Begrüßung gesagt. Jetzt weiß man: Glänzend und ausgezeichnet, mit großem Beifall und Begeisterung.

© Der Bote, 09.12.2016 Dorothée Krätzer