Denkmal bleibt auf dem Friedhof

Ehrendenkmal auf dem Friedhof

Alles ein großes Missverständnis: Die evangelische Kirchengemeinde will das Denkmal für die Kriegsopfer auf dem Friedhof behalten. Hier sollen auch weiterhin die Feiern zum Volkstrauertag stattfinden können. Kommunikativ ist allerdings zwischen Kirchengemeinde und Stadt nicht alles optimal gelaufen, so dass man im Rathaus bis vor einigen Tagen davon ausging, dass man einen neuen Standort für das Ehrenmal suchen müsste.
Wie berichtet, steht das im Eigentum der Stadt befindliche Denkmal auf kircheneigenem Grund. Als es 1966 auf Wunsch der Altdorfer Bevölkerung aufgestellt wurde, schlossen Stadt und Kirchengemeinde einen Vertrag, der für die nächsten 50 Jahre regelte, dass das Ehrenmal auf dem kirchlichen Grund stehen darf und dass hier regelmäßig Feiern zum Volktrauertag stattfinden können. Diesen Vertrag hat die Kirchengemeinde im Oktober gekündigt. Woraus man im Rathaus schloss, dass die Kirche die Beseitigung des Denkmals vom Friedhof anstrebt. „Das wollen wir aber nicht“, stellt Dekan Jörg Breu fest. Vielmehr sei es Ziel der Kirche, das Denkmal neu zu gestalten. „Mit einer Neugestaltung, einer Renovierung der Gedenkstätte kann eine kommunale Erinnerungskultur wiederbelebt und vertieft werden“, so Pfarrerin Ursula Kronenberg.

Wettbewerb vorgeschlagen

Anfang November hatte die Pfarrerin der Stadt den Beschluss des Kirchenvorstands über die Kündigung des Vertrags mitgeteilt und den Grund erläutert: Das Ehrenmal gelte in seiner derzeitigen Fassung nur den Soldaten der drei darauf genannten Kriege. Ziel sollte aber ein neugeschaffenes Mahnmal für alle durch Gewalt getöteten Menschen sein. Der Kirchenvorstand, so Kronenberg in ihrem Schreiben, schlägt dem Stadtrat daher vor, gemeinsam einen Künstlerwettbewerb auszuloben und eine Umgestaltung auf demselben Platz anzustreben. Dann könnte auch der Vertrag zwischen Kirchengemeinde und Stadt neu abgeschlossen werden.

Gespräche fanden nicht statt

Kronenberg schloss ihr Schreiben mit dem Hinweis, dass man gerne zu Gesprächen bereit sei, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Diese Gespräche kamen vor der jüngsten Stadtratssitzung vom 17.12., auf der Bürgermeister Erich Odörfer über die Vertragskündigung berichtete, aber nicht mehr zustande.

Wie geht es jetzt weiter?

Ideen für eine Umgestaltung des Denkmals haben Dekan Breu, Pfarrerin Kronenberg und Mitglieder des Kirchenvorstands viele. Breu weist beispielsweise darauf hin, dass dem Denkmal jeder aktuelle Bezug fehlt: „Auch nach 1945 gibt es kriegerischen Handlungen.“ Außerdem sei der Text auf dem Denkmal missverständlich: Ehre den Opfern, heißt es da. „Für mich zählt eher Trauer“, sagt Breu, der bei Ehre eher an militärische Sprache denkt. Ebenso missverständlich sei der Satz „Den Lebenden zur Mahnung“. „Wer mahnt? Das Denkmal? Die Toten? Zu was werden wir gemahnt? Zur nationalen Einheit? Zum Widerstand? Oder zum Frieden?“, fragt der Dekan.
Breu geht es jetzt darum, eine Umgestaltung des Denkmals zu einer gemeinsamen Aufgabe von Kirchen und Stadt zu machen. Das alles ist viel mehr als die Überlassung eines Grundstücks. „Es geht um eine Einladung, sich gemeinsam auf den Weg zu machen – das ist leider nicht so angekommen“, stellt der Dekan bedauernd fest.
Pfarrerin Kronenberg sieht in einem Wettbewerb um die Neugestaltung des Denkmals auf dem Friedhof eine Auseinandersetzung mit Deutschlands und Europas Vergangenheit.
Aktive Vergangenheitsbewältigung werde gefördert, „vor allem auf kommunaler Ebene in Altdorf“. Dazu könnten, so Kronenberg, besondere Projekte entstehen, z.B. für Neubürger, denen bei Stadtführungen die politische Offenheit der Stadt und ihr Umgang mit „Opfern“ nahegebracht wird, Projekte für Konfirmanden, Jugendgruppen, Senioren und Asylsuchenden. 
Breu und Kronenberg sind trotz der Missverständnisse zuversichtlich, dass man mit der Stadt eine gemeinsame Basis für das weitere Vorgehen finden wird. Möglicherweise wird man den jetzt gekündigten Vertrag für das Denkmal übergangsweise um drei bis vier Jahre verlängern. In dieser Zeit könnte ein neues Konzept fertig sein, das dann bei einem neuerlichen Vertragsabschluss weitere 50 Jahren tragen sollte.

© Artikel: Alex Blinten, Der Bote

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